IDS Knochen- und Knorpel-Newsletter
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Tibolon: Abkopplung der Auswirkungen auf Knochen und Knorpel?
Osteoarthritis (OA) ist die am meisten verbreitete Gelenkkrankheit und ein vorwiegender Grund für Behinderungen bei Personen über 50 Jahre. Ein Symptom dieser Krankheit ist die progressive Degeneration des Gelenkknorpels, die Generierung von Osteophyten und eine Verengung des Gelenkabstandes. Diverse Studien in klinischen Umgebungen haben Anhaltspunkte für Zusammenhänge zwischen der Knochen- und der Knorpeldegeneration geliefert. Ein selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulator (SERM) wurde als Schutz gegen den Knochen- und den Knorpelabbau ermittelt (1). In einer weiteren Sudie wurde festgestellt, dass der Abbau bei Frauen, die eine Hormon-Ersatztherapie (HET) in Anspruch nahmen, wesentlich geringer war im Vergleich zum Abbau bei den Kontrollpersonen (2, 1), und dass der Knorpelabbau bei Frauen nach der Menopause erheblich höher war als bei einer Altersgruppe prä-menopausaler Frauen (2).
In einer neueren Studie erforschten Karsdal und co. (3), ob Tibolon, ein künstliches Anabolikum mit erstrogenischen, androgenischen und progestogenischen Eigenschaften, eine vergleichbare duale Wirkung auf Knochen- und Knorpelabbau haben könnte, wir vorher bei SERMS und HRT.
Einundneunzig post-menopausale Frauen im Alter von 52-75 Jahren wurden einer zweijährigen, doppelblinden, randomisierten, placebo-kontrollierten Behandlungsstudie unterzogen, mit entweder 1,25 mg Tibolon pro Tag (n=36), oder 2,5 mg Tibolon pro Tag (n=35), oder einem Placebo (n=20), wie vorher beschrieben (4). Urinproben wurden bei der Erstuntersuchung, dann nach 3, 6, 12 und 24 Monaten entnommen. Urine CrossLaps® (CTX-I) ** und Urine CartiLaps® ELISA (CTX-II) wurden jeweils als Marker der Knochenresorption und des Knorpelabbaus untersucht (beide IDS Ltd).
Abbildung 1: Knochenresorption Urinary CTX-I
Tibolon hat die Knochenresorption nach 6 Monaten erheblich unterbunden (fig 1).
Abbildung 1: Knochenresorption Urinary CTX-I 2 Therapiejahre lang in den Gruppen, die 2,5 mg, 1,25 mg Tibolon oder das Placebo erhalten haben. Werte werden als geometrischer Durchschnitt±1 SEM angezeigt.
Tibolon hatte keine Auswirkungen auf den Knorpelabbau (Abb. 2). Die beobachtete Wirkung von 2,5 mg Tibolon war ein Anstieg von 19% [95% Vertrauensintervall -17%; +70%] bei CTX-II.
Abbildung 2: Knorpelabbau Urinary CTX-II 2 Therapiejahre lang in den Gruppen, die 2,5 mg, 1,25 mg Tibolon oder das Placebo erhalten haben. Werte werden als geometrischer Durchschnitt±1 SEM angezeigt.
Abbildung 2: Knorpelabbau Urinary CTX-II
Zusammengefasst zeigen die Daten, dass die Knochenresorption ohne die zusätzliche positive Nebenwirkung der Vorbeugung des Knorpelabbaus stark gemindert werden kann. Diese Erkenntnisse zeigen eine Trennung der Auswirkung auf Knochen und Knorpel durch das künstliche Steroid Tibolon. Dies steht im Kontrast zu den Erkenntnissen, die mit SERMs und HET zum Knochen- und Knorpelabbau gewonnen wurden, und könnte teilweise durch die komplexe Pharmakologie von Tibolon mit Testosteron- Östrogen und Progesteronrezeptoren erklärt werden.
Quellenangaben
1. Christgau S, Tanko LB, Cloos PA, Mouritzen U, Christiansen C, Delaisse JM et al. Suppression of elevated cartilage turnover in postmenopausal women and in ovariectomized rats by estrogen and in a selective estrogen-receptor modulator (SERM). Menopause 2004, 11: 508-51
2. Mouritzen U, Christgau S, Lehmann HJ, Tanko LB, Christiansen C: Cartilage turnover assessed with a newly developed assay measuring collagen type II degradation products: influence of age, sex, menopause, hormone replacement therapy, and body mass index. Ann Rheum Dis 2003, 62: 332-336
3. Karsdal MA, Byrjalsen I, Leeming DJ, Christiansen C: Tibolone inhibits bone reosprion without secondary positive effects on cartilage degradation. BMC Musculoskelet Disord 2008, 9: 15
4. Bjarnason NH, Bjarnason K, Haarbo J, Rosenquist C, Christiansen C: Tibolone: prevention of bone loss in late postmenopausal women. J CLin Endocrinol Metab 1996, 81: 2419-2422